| Nürburgring, 1. Mai 2009, so gegen 10Uhr. Bei strahlendem Sonnenschein rollen rund 30 Tourenwagen auf die Strecke um die ersten 45 Minuten Training in Angriff zu nehmen. An sich wäre das nichts besonderes, doch in diesem Falle berührte das viele Anwesende. Ob im Fahrerlager, auf den Tribünen oder bei den Organisatoren dieses Events, auf diesen Moment hatte man sich so lange gefreut, gefiebert, daraufhin gearbeitet. Es war der Moment als die DTM wieder zurückkam. Es war fast wie früher. |
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Die unvergessene DTM. Die Deutsche Tourenwagen Meisterschaft, die in den 80er und 90er Jahren weltweit so für Furore gesorgt hatte. Rennsport vom feinsten, beinharte Tür-an-Tür-Duelle, Autos die auf dem Dach über die Ziellinie rutschten, Fans die es vor Begeisterung nicht auf den Sitzen hielt, die mit frenetischem Jubel und Böllerschüssen ihre Helden feierten. Startfelder von weit über 40 Autos besetzt mit den besten Tourenwagenpiloten. Fahrer wie Quester, Danner, Ludwig, Stuck, Thiim, Asch, Rosberg, Reuter, Schneider, Nannini, Soper - zu viele um sie alle aufzuzählen. Ob auf der Avus, in Diepholz, am Norisring, in Hockenheim und eben auf der Nordschleife. Wo DTM war, da war Action, da war Stimmung. Bis 1996. |
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Der Blick zurück. Es war beim 24h Rennen 2008, als ich angesprochen wurde: „Man müsste mal die alte DTM zurückholen. Das wäre doch was, stell Dir das mal vor! Die 190er, M3, Omega, Sierra und Alfa alle zusammen, und dann noch auf der Nordschleife!“
„Oh ja, das müsste man irgendwie schaffen, das wäre ein Traum“, entgegnete ich. |
Was als kleine Phantasie begann, wurde kurze Zeit später etwas konkreter, denn ein paar Wochen danach kam ein Anruf von RiNG1.de.
„Du kennst doch von der Bergrennszene her einige Besitzer von Ex DTM Wagen. Stell doch mal eine Liste zusammen wen wir da alles ansprechen können. Wir planen ein Tourenwagen Revival und es gibt da eine kleine Chance dies Anfang Mai im Rahmen des Langstreckenpokals mit dem ACAS durchzuführen. Würdest Du uns da helfen, Fahrzeuge an den Start zu bringen?“
Da brauchte ich nicht zweimal zu überlegen und schon glühten in den folgenden Monaten die Drähte. Anrufe hier, Emails da. Quer durchs Land und durch Europa um vorzutasten, wer denn Interesse hat bei dem Revival teilzunehmen.
Die Resonanz der Kontaktierten war durchweg schon positiv und es zeichnete sich ab dass doch einige Wagen am Start stehen würden.
Dann kam endgültig das grüne Licht für das ACAS Tourenwagen Revival powered by RiNG1.de. |


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Die Organisation um Michel Pathe und Christian Reinsch und alle Beteiligten gaben ihr Herzblut, um das Revival dieser Fahrzeuge auf die Beine zu stellen, und sie sollten belohnt werden.
Die Ausschreibung wurde erstellt und europaweit verschickt. Die Liste der eingegangenen Nennungen wurde immer länger und auch internationaler. Nennungen aus der Schweiz, Österreich, Italien, England, Belgien und Holland gingen ein und schlussendlich waren es knapp über 50 Nennungen. Viele M3, einige Mercedes 190, Evo`s und Klasse 1, eine Reihe Opel Omega hatten genannt. Dazu ein Volvo, eine Rover Vitesse und Alfas. Von dieser Anzahl hatte man kaum zu träumen gewagt und es sollte die eine oder andere Überraschung dabei sein, denn nicht nur die Fahrzeuge sollten am Start sein, auch Piloten von damals waren herzlich willkommen. Armin Hahne, Harald Grohs, Frank Schmickler und Jörg van Ommen waren von der Idee sehr begeistert und sagten spontan für eine Autogrammstunde im Rahmen des Revivals zu. Die Firmen Ford und Zakspeed sagten ebenfalls ihre Unterstützung zu und stellten einen Sierra Cosworth Turbo und die DTM 2000 Studie auf Mondeo Basis und den Zakspeed Carbon Calibra zur Verfügung. |
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Grundsätzlich sollten alle Marken die in der DTM fuhren vertreten sein. Das war ein Ziel des Revivals und es sah auch danach aus als würde es dazu kommen.
Ein großes Ziel war, mindestens einen der Lieblinge der Fans, einen der Mustang GT, für das Event zu bekommen. Also nahm man Kontakt mit den Piloten Gerd Ruch aus Berlin und Jürgen Feucht aus Darmstadt auf. Mitte April kam die Nachricht, dass Gerd Ruch es zeitlich nicht schafft, den Mustang herzurichten. Fast zeitgleich kam aus Darmstadt die Meldung „Wir kommen zum Revival, und wenn wir schon kommen, dann nicht nur zum rumstehen, dann rennt der Mustang auch!“
In ca. 300 Arbeitsstunden wurde der Mustang, der seit 1994 keinen Meter mehr fuhr, eigens für das Revival reaktiviert.
Auch ob dieser Nachricht fieberte das Team die letzten Tage auf das Revival zu und man stellte sich bange Fragen. Werden alle kommen? Wird alles glatt laufen, hält das Eifelwetter und und und…? |
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30. April 2009, Donnerstagnachmittag, Anreise zum Nürburgring. Einfahrt ins Fahrerlager. Hier und da sieht man schon die ersten Teilnehmer.
Ein herrlicher Anblick, wie die Front eines M3 in Werkslackierung durch das halbgeöffnete Boxentor lugt und der Besitzer sein Schätzchen noch mal blitzblank poliert. Die erste Gänsehaut...
Nach und nach trifft im Laufe des Abends ein Teilnehmer nach dem anderen ein und das Fahrerlager füllte sich zusehends. So stehen über 40 Wagen bereit für das erste und größte Treffen von ehemaligen DTM Fahrzeugen. Bereit für die Rückkehr in die grüne Hölle. |
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Freitagmorgen am 1. Mai, die Piloten machen sich und ihre Boliden bereit für den Start des Revivals. Heuer, Wüstefeld, Weber, Kilb, Smets und Cencini heißen die Fahrer, die nun in den ehemaligen Gruppe A und Klasse 1 Renntourenwagen sitzen und die Geschichte wieder aufleben lassen.
10 Uhr, geführt von einem Pace Car geht es in eine Einführungsrunde des ersten Trainings und dann werden sie losgelassen. In der Eifel erschallt wieder die Sinfonie der 2,5 Liter 4 Zylinder Saugmotorenfraktion der BMW und Mercedes garniert von einigen Opel 6 Zylinder, dem Flammen spuckenden Texaco Sierra Cosworth und als Sahnehäubchen tobt Jürgen Feucht in seinem Mustang 5 Liter V8 über die Kurzanbindung des Nürburgring Grand Prix Kurs. Die Fahrer lassen keine Zweifel aufkommen, dass sie ihre wertvollen Wagen nicht nur zur Schau fahren. Da wird nichts geschont, Szenen wie früher. Verbremser, wild über die Curbs räubern, Überholmanöver, verpasste Schikanen, Quersteher, Drifteinlagen - alles wird den zahlreichen Besuchern auf den Tribünen zum Nulltarif geboten und alles ist fast wie früher. Nach 45min ist der erste Sturm vorbei und die Renner pausieren bis zum Mittag um die zweite Runde in Angriff zu nehmen.
Die ehemaligen DTM Piloten Grohs, Hahne, van Ommen und Schmickler ließen es sich nicht nehmen sich noch mal selbst ans Volant der einstigen Arbeitsgeräte zu setzen und einige Runden zu drehen. Harald Grohs stieg in seinen Vogelsang BMW M3 von 1987, Hahne in den Texaco Sierra, van Ommen in seinen Star Mercedes 190 EvoI und Frank Schmickler bewegte einen M3 Replika in Warsteiner Lackierung.
Einhellig hatten alle ihren Spaß dabei, drückten ihre Begeisterung für das Revival aus und schwärmten von der alten Zeit. Als ich Frank Schmickler vor einiger Zeit wegen des Revival ansprach, versprach mir „Wenn ich komme, dann ziehe ich auch meinen alten Diebels Anzug an!“ Schmickler hielt Wort, holte seinen Rennanzug nach 19 Jahren aus dem Schrank und zog ihn für eine Fotosession an Richard Webers MM Team Diebels BMW M3 an. „Es kommt grade alles wieder. Da werd ich glatt 20 Jahre jünger!“ freute sich Schmickler als er in dem Diebels M3 Platz nahm. |


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Den großen Andrang der vielen Besucher zur Autogrammstunde nach den zweiten 45min Training nahmen die DTM Profis Biela, van Ommen, Oberndorfer, Grohs, Hahne, Feucht und Schmickler ganz locker und signierten unzählige Karten, Bücher, Poster, Modelle und alle möglichen Devotionalien, die die Fans eigens dafür mitbrachten.
Es ist fast wie ein Familientreffen. Ehemalige Mechaniker treffen auf die Rennwagen die sie einst aufbauten, reparierten und warteten. Es laufen Besucher in originalen Mechanikeranzügen von Bigazzi und Schnitzer umher. Pläuschchen hier, Benzingespräch da. Motorsporthistorie zum anfassen. Noch lange bis in die Abendstunden schlendern hunderte Fans durch die Reihen der Renntourenwagen und bestaunen die originalen Lackierungen mit denen man die DTM identifiziert wie zum Beispiel Berlin 2000, Diebels Alt, Sonax und Jägermeister. |
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Samstag, 10 Uhr. Das Highlight startet. Die 3 Runden Demofahrt der knapp 30 Fahrzeuge nimmt Kurs auf die grüne Hölle. Circa 35.000 Zuschauer stehen rund um die Nordschleife um diesen Moment, begleitet von zahlreichen Anekdoten von Burkhard Bechtel über das Ring-Radio, mitzuerleben. Und es war fast wie früher.
Diese ganz besonderen Momente hat auch Jürgen Feucht, der diese 3 Runden und das Event so schnell nicht vergessen wird.
„Das hat soviel Spaß gemacht, es war absolut Klasse!“ |
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Als ich Samstagabends durch das fast leere Fahrerlager zu meinem Auto lief, waren noch zwei italienische Teilnehmer grad am aufladen ihrer beiden BMW.
Ich verabschiedete mich von ihnen mit „Grazie, Mille Grazie.“
„Te grazie“ war die Antwort und in gebrochenem Deutsch „Wir kommen wieder.“
Die Resonanz von allen Seiten, Teilnehmer, Zuschauern und Organisation war durchweg sehr positiv und man versprach sich, ACAS Tourenwagen Revival powered by RiNG1.de: „Wir kommen wieder!“ |
Text: Detlef Sauer
Fotos: Detlef Sauer und Harald Jordan
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